Forschungsbohrung Köln-Dellbrück: Jetzt wird gebohrt!

Drohnenfoto vom Bohrplatz in Köln-Dellbrück mit Bohrturm und Containern

Seit letzter Woche arbeitet sich der Bohrmeißel am Thurner Kamp in Köln-Dellbrück in die Tiefe. Bis zu 1.000 Meter tief erkundet die Forschungsbohrung des Geologischen Dienstes NRW (GD NRW) den Kölner Untergrund. Das Ziel ist herauszufinden, ob die rund 380 Millionen Jahre alten Kalksteinschichten unter Köln als geothermisches Reservoir geeignet sind.

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur: „Erdwärme ist sauber, jederzeit verfügbar – und macht uns unabhängiger von fossilen Importen aus Krisenregionen. Mit gezielten Forschungsbohrungen legen wir heute den Grundstein dafür, dass Wohnungen, Schulen, Schwimmbäder und Betriebe schon bald mit Wärme aus der Tiefe versorgt werden können. Lokal, bezahlbar, sicher – so gelingt die Wärmewende in Nordrhein-Westfalen.“ Bei einem positiven Ergebnis könnte also zukünftig Wärme aus der Tiefe einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Versorgung der Region leisten. Deshalb unterstützt das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW (MWIKE) das Projekt im Rahmen des Masterplans Geothermie NRW.

Projektleiter Ingo Schäfer: „Hier in Dellbrück untersuchen wir einen ganz bestimmten Kalkstein: den Massenkalk. Wir gehen davon aus, dass wir ihn mit der maximal 1.000 m tiefen Bohrung in seiner ganzen geologischen Prächtigkeit erbohren werden. Der Massenkalk ist interessant, weil sich in ihm nahe der Erdoberfläche natürliche Hohlräume gebildet haben. Die Höhlen im Bergischen Land, wie z. B. in Ennepetal oder in Attendorn, sind alle im Massenkalk. Wir werden nun untersuchen, ob er auch in der Tiefe Hohlräume und Spalten aufweist, in denen sich warmes Wasser bewegen könnte.“ Die Fachleute des GD NRW wollen die komplette Schichtenabfolge als Bohrkerne aus der Tiefe an die Oberfläche holen und diese analysieren. Im Anschluss an die Bohrarbeiten wird über einen Pumptest geprüft, ob und wie viel Wasser im Massenkalk enthalten ist. So könnte nach dem Kohlenkalk, der 2025 in Krefeld erfolgreich erkundet wurde, hier ein weiteres geothermisches Reservoir das Interesse an einer Geothermienutzung in Nordrhein-Westfalen beflügeln.

Am Freitag machte sich William Wolfgramm, Kölner Dezernent für Klima, Umwelt, Grünflächen und Liegenschaften persönlich ein Bild von der Bohrung und den ersten Bohrkernen: „Geothermie vereint die besten Eigenschaften der erneuerbaren Energien. Sie ist klimaneutral, immer verfügbar, krisensicher, braucht wenig Platz und wird mit dem höchsten Wirkungsgrad bereitgestellt. Das macht sie zu einem bedeutsamen Baustein der Wärmewende. Wir begrüßen deshalb die Probebohrung des Geologischen Dienstes im Kölner Boden und sind sehr gespannt auf das Ergebnis.“

 „Die Ergebnisse sind für die gesamte Region relevant“, betont Schäfer. „Wir stellen die Daten der der Stadt Köln genauso zur Verfügung wie der gesamten Öffentlichkeit, sodass Kommunen und Stadtwerke darauf aufbauen und das Wärmepotenzial unter ihren Füßen nutzen können.“

Höchste Sicherheitsstandards für den Bohrplatz

Seit März hat sich am ehemaligen Ascheplatz am Thurner Kamp, einer städtischen Ausgleichsfläche, einiges getan. Der Bohrplatz wurde abgedichtet und ein undurchlässiger Bohrkeller erstellt, damit keine Flüssigkeiten in den Untergrund eindringen können. Eine Wand aus Containern schirmt die Umgebung vor Lärm ab.

„Wir freuen uns, dass die umfangreichen Vorarbeiten erfolgreich abgeschlossen sind und wir jetzt mit dem besonders spannenden Teil anfangen konnten“, sagt Dr. Stephan Becker, verantwortlicher Geologe für die Bohrung beim GD NRW.

Die Bohrarbeiten und die anschließenden Messungen und Tests werden voraussichtlich drei bis vier Monate dauern. Anschließend wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt und die Fläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.

Forschungsinteresse: Wärme aus dem Untergrund

Klimafreundliche Erdwärme kann Kommunen, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft mit Wärme versorgen – rund um die Uhr, bei jeder Witterung, preisstabil, sicher und unabhängig von fossilen Brennstoffimporten. Deshalb ist die hydrothermale Geothermie für Fachleute ein echter Gamechanger. Sie nutzt heißes Tiefenwasser, das in natürlichen Hohlräumen und Spalten in bestimmten Gesteinsarten vorhanden ist. Über ein Bohrloch kann dieses Wasser an die Oberfläche gefördert und über Wärmetauscher z. B. an Fernwärmenetze abgegeben werden. Das abgekühlte Wasser wird über ein zweites Bohrloch wieder in dieselbe Gesteinsschicht zurückgeleitet. Zahlreiche Kommunen in Bayern setzen diese Technologie bereits erfolgreich ein.

Hintergrund: Masterplan Geothermie NRW

Die Forschungsbohrung ist Teil des Explorations- und Bohrprogramms „Geowärme – Wir erkunden NRW.“, beauftragt durch das MWIKE als Teil des „Masterplans Geothermie NRW“. Dessen Ziel: Bis 2045 sollen rund 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW durch Erdwärme gedeckt werden. Die erhobenen Daten werden veröffentlicht und dienen Kommunen, Stadtwerken und Unternehmen als Entscheidungsgrundlage.