Vor 6 Monaten begannen die Arbeiten für die geothermische Forschungsbohrung des Geologischen Dienstes NRW in Köln-Dellbrück. Fast 10 Wochen arbeitete sich der Bohrmeißel Tag und Nacht in die Tiefe und förderte Probenmaterial in Form von Bohrkernen an die Oberfläche. Bei 802 m war das Ziel schließlich erreicht. Ob sich die erbohrten Gesteine eignen, geothermische Wärme zu gewinnen, soll nun die Auswertung der Daten zeigen.
Die Bohrung in Köln-Dellbrück ist eine von vier tiefen Forschungsbohrungen, die der Geologische Dienst NRW im Auftrag der Landesregierung durchführt. Die Bohrungen haben das Ziel, die Eigenschaften insbesondere von Kalksteinen unter NRW zu erforschen. „Uns interessiert, wie genau die Kalksteine im Untergrund aussehen und ob sie für eine Wärmegewinnung ausreichend Wasser führen“, so Dr. Martin Salamon, stellvertretender Direktor und Geologe beim Geologischen Dienst NRW, und fügt hinzu: „In Köln haben wir den Massenkalk, einen für NRW ganz typischen Kalkstein, im Blick.“
Im letzten Jahr konnten die Fachleute mit einer knapp 1.000 m tiefen Bohrung in Krefeld nachweisen, dass ein weiterer NRW-typischer Kalkstein, der Kohlenkalk, ein System aus offenen Spalten und kleinen Hohlräumen besitzt, das warmes Wasser enthält. Während der Kohlenkalk also zukünftig als geothermische Energiequelle von Kommunen oder Stadtwerken genutzt werden kann, um Fernwärmenetze oder Quartiere mit umweltfreundlicher Wärme aus der Erde zu versorgen, muss sich dies beim Massenkalk durch die Auswertung der Daten erst noch zeigen.
Projektleiter Ingo Schäfer erläutert hoffnungsvoll: „Die ersten Erkenntnisse und Daten lassen jetzt schon vermuten, dass auch der Massenkalk als geothermisches Reservoir geeignet ist. Beim Bohren haben wir bereits Tiefenwasser im Massenkalk angetroffen und auch die Bohrkerne zeigen größere Bereiche, in denen sich Wasser bewegen kann!“ Die erbohrten Gesteinsproben bestehen aus meterlangen Steinzylindern, die das Bohrgerät aus dem bis zu 400 Millionen Jahre alten Gestein herausgebohrt hat und die nun noch näher untersucht werden.
„Dass die geothermische Wärmegewinnung technisch funktioniert, sehen wir an zahlreichen realisierten Anlagen in Süddeutschland. Wir untersuchen nun, ob auch die Geologie in NRW die dafür notwendigen Eigenschaften mitbringt. Köln dient uns dabei als ein Referenzstandort“, erklärt Schäfer. Kalksteine eignen sich deshalb besonders gut für eine geothermische Wärmegewinnung, weil sie auf natürliche Weise ausreichend Wasser enthalten können. „Wenn Sie einen Gartenbrunnen planen, bohren Sie auch nicht im Lehm oder Ton, sondern suchen sich eine Kies- oder Sandschicht, in der Wasser enthalten ist! Und für die tiefe Geothermie sind dies Kalk- und Sandsteine“, führt Schäfer weiter aus.
Die Forschungsbohrung ist Teil des Masterplans Geothermie NRW, mit dem die Nutzung der tiefen Geothermie im Bundesland vorangebracht werden soll. Mit den Bohrungen bringt der Geologische Dienst NRW wortwörtlich „Licht ins Dunkel“ und stellt den Kommunen und Stadtwerken wichtige Daten zum Untergrund zur Verfügung. Hierauf, so der Plan der Landesregierung, sollen lokale Stellen aufbauen und eigene Projekte realisieren.
Dies erklärt auch, warum der Geologische Dienst NRW gerne und ausführlich über die Bohrungen informiert: in sozialen Medien, bei Workshops und mit öffentlichen Führungen auf dem Bohrplatz. „Das Interesse an der Bohrung und der Geothermie ist erfreulich groß – in der Bevölkerung ebenso wie bei Fachleuten aus der kommunalen Wärmeplanung und der Energiewirtschaft“, erläutert Dr. Janina Falkenberg, die in dem Projekt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Die Erkenntnisse aus der Forschungsbohrung und die Chancen, die sich daraus ergeben, werden nach Abschluss der Untersuchungen von den Geo-Fachleuten auf einem Workshop vorgestellt“, so Falkenberg und ergänzt: „Ganz nach dem Motto: Aus Daten werden Projekte.“
Von dem großen Interesse der Stadtwerke und Kommunen an der Wärme aus dem Untergrund zeugen die zahlreichen Erlaubnisse zur Aufsuchung von Erdwärme, die die zuständige Bergbehörde NRW schon erteilt hat. Weitere tiefe Forschungsbohrungen finden 2027 in Münster und 2028 in Mönchengladbach statt.