Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Die zweite Tiefbohrung im Rahmen des Projektes „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ untersucht den Massenkalk aus der Devon-Zeit und ist ebenfalls bis 1.000 Meter Tiefe geplant. Der Bohrstandort liegt im Nordosten Kölns, im Stadtteil Dellbrück.

Die Grafik zeigt einen Schnitt der geplanten Forschungsbohrung Köln-Dellbrück.
© GD NRW

Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Warum in Köln-Dellbrück?

Die Forschungsbohrung soll den „Massenkalk“ erkunden. Er entstand während der Devon-Zeit und ist rund 380 Millionen Jahre alt. In der Nordeifel, im Bergischen Land und im Sauerland kommt dieser Kalkstein an der Tagesoberfläche vor und wird dort in Steinbrüchen abgebaut. Aus diesen Aufschlüssen ist bekannt, dass er oftmals Verkarstungen aufweist. Verkarstungen sind Hohlräume, die durch Lösungsprozesse entlang von natürlichen Klüften und Spalten im Gestein entstehen. Darin kann Wasser fließen. Die Forschungsbohrung dient dazu, herauszufinden, ob im Untergrund in der Region Köln im Massenkalk vergleichbare Verkarstungsphänomene auftreten – denn das wären ideale Voraussetzungen für die Nutzung von hydrothermaler Geothermie! Mit der Forschungsbohrung sollen also belastbare Erkenntnisse über die geothermischen Nutzungseigenschaften des Gesteins in der Tiefe gewonnen werden. Die Forschungsergebnisse werden der Region zur Verfügung gestellt und können auch den anderen Städten und Gemeinden, in denen der Massenkalk im Untergrund vorkommt, künftig als Entscheidungsgrundlage für die mögliche Nutzung von Tiefengeothermie dienen.

Der Bohrstandort am „Thurner Kamp“ in Köln-Dellbrück liegt in der geologischen Struktur der „Paffrather Mulde“. Die Gesteine in der etwa 12 mal 7 Kilometer großen Kalkmulde entstanden während des Devons, in einem flachen, tropisch-warmen Meer aus zahlreichen Korallen- und Schwammriffen. Davon zeugen bis heute mächtige, fossilreiche Kalksteine. Aus diesem Grund ist die Paffrather Mulde seit 240 Jahren auch Gegenstand geologischer und paläontologischer Forschung.

Die geothermisch interessanten Kalksteinschichten werden am Bohrstandort in einer Tiefe zwischen 150 und 600 Metern vermutet und können dadurch mit der maximal 1.000 Meter tiefen Forschungsbohrung erstmals komplett im Seilkernverfahren erbohrt werden. Die angenommenen Tiefen beruhen u. a. auf den Erkenntnissen der 1.027 Meter tiefen Bohrung „Messebrunnen IV“ in Köln-Deutz aus dem Jahr 1976.

Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Wo wird gebohrt?

Der Bohrplatz am Thurner Kamp in Köln-Dellbrück ist ein ehemaliger Ascheplatz der SV Adler Dellbrück 1922 e. V., der 2022 außer Betrieb genommen wurde und heute als ökologische Ausgleichsfläche dient. Er wurde dem GD NRW von der Stadt Köln für den Zeitraum der Durchführung der Forschungsbohrung zur Verfügung gestellt. Hier werden die geologischen Zielschichten in einer für die Fragestellung günstigen Tiefe vermutet und das Gelände ist infrastrukturell gut erschlossen.

Das Foto zeigt den Bohrstandort für die geplante Bohrung am Thurner Kamp.
© GD NRW
Bohrung des GD NRW.
© GD NRW

Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Wie ist der Zeitplan?

Die Arbeiten für den Bohrplatzbau haben im ersten Quartal 2026 begonnen. In der ersten Phase wird der Bohrplatz errichtet, inklusive technischer Schutzvorrichtungen für oberflächennahe Schichten und das Grundwasser. Danach folgt der Aufbau der etwa 20 Meter hohen Bohranlage sowie der ca. 10 Meter hohen Lärmschutzmaßnahmen. Die Bohrarbeiten selbst werden rund drei Monate in Anspruch nehmen. Nach einem umfassenden Untersuchungsprogramm im Bohrloch wird es ordnungsgemäß verfüllt und der ursprüngliche Zustand des Platzes wiederhergestellt – wie im Nutzungsvertrag mit der Stadt Köln festgelegt. Insgesamt wird das Projekt innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein.

Wir werden die Öffentlichkeit regelmäßig über den Fortschritt der Forschungsbohrung informieren – mit Führungen vor Ort, einem Bohrungsreport auf dieser Projektwebseite und über unsere Social-Media-Kanäle.

Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Warum wird die Bohrung bei Erfolg geothermisch nicht nachgenutzt?

Ziel der Forschungsbohrung ist es, den Massenkalk in der Paffrather Mulde besser zu verstehen. Es handelt sich dabei nach wissenschaftlichen Kriterien um einen Referenzstandort. Weist der Massenkalk hier Verkarstungen auf, lässt dies darauf schließen, dass er andernorts in der Region ebenfalls geothermisches Potenzial bietet.

Die Planung, das Bohrverfahren und der Ausbau sind bei einer Forschungsbohrung nicht identisch mit den Ansprüchen einer Produktionsbohrung für die geothermische Nutzung. Bei der Nutzung von hydrothermaler Geothermie werden mindestens zwei Bohrungen in die wasserführende Schicht niedergebracht. Eine Förderbohrung, durch die das heiße Tiefenwasser an die Oberfläche gelangt, und eine Injektionsbohrung, durch die es nach der Wärmenutzung wieder in den Untergrund geleitet wird. Beide Bohrungen haben einen größeren Durchmesser als eine Forschungsbohrung und werden während des Bohrvorgangs abgelenkt, das heißt, sie führen in der Tiefe auseinander. So ist ein ausreichender Abstand zwischen der Förderung des heißen und der Injektion des abgekühlten Wassers gewährleistet. Auch die bergrechtlichen Genehmigungsverfahren sind deutlich aufwendiger als bei einer Forschungsbohrung. Zudem muss es einen verantwortlichen und befähigten Eigentümer geben, der das Aufsuchungsfeld, in dem die Geothermiebohrungen geplant sind, beantragt und der in die bergrechtliche Verantwortung eintritt.

In den kommenden Jahren sind im Rahmen des Explorations- und Bohrprogramms „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ auch nachnutzbare Bohrungen geplant. Der GD NRW beschäftigt sich aktuell gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium von NRW und einer Anwaltskanzlei intensiv mit den technischen und rechtlichen Anforderungen an das Vorhaben.

Bohrkerne der Forschungsbohrung in Krefeld.
© GD NRW
Luftbildaufnahmen vom Bohrplatz
© GD NRW Luftbildaufnahmen vom Bohrplatz

Bohrreport Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

10. Juni 2026

Der Countdown läuft! Das Bohrgerät steht und der Bohrplatz nimmt immer mehr Gestalt an. Von oben ist gut zu sehen, wie viel sich in den letzten Wochen verändert hat. Nun kann es bald losgehen. Auch der Info-Container ist bestückt und wartet auf die ersten Besuchenden: Ab dem 24.06. gibt es jeden Mittwoch um 17:30 Uhr Führungen.

Bohrreport Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

28. Mai 2026

Heute Nacht wurde es besonders spektakulär – denn der Star der Bohrung traf ein: das Bohrgerät. Wegen seines enormen Gewichts musste es mit einem Schwertransporter angeliefert werden. Daher erfolgte der Antransport in der Nacht. Unsere Fachleute Sebastian und Stephan ließen sich dieses Highlight nicht entgehen. Sie wollten sich aber nicht nur das Bohrgerät ansehen, sondern auch für die Anwohnenden vor Ort sein. Es folgen nun die letzten Arbeiten auf dem Platz, bevor das Bohrgerät mit seinem Einsatz starten kann.

Antransport des Bohrgeräts
© GD NRW Antransport des Bohrgeräts
3 Leute in gelben westen spazieren über einen Schotterplatz.
© GD NRW: Das Kamera Team macht Aufnahmen auf dem Bohrplatz.

Bohrreport Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

20. Mai 2026

Nachdem gestern die Container für den Lärmschutz aufgestellt wurden, standen zusätzlich Dreharbeiten auf dem Programm. Geplant ist ein Erklärfilm, der die einzelnen Schritte rund um die Bohrung verständlich und anschaulich zeigt. Dafür wurden aktuelle Arbeiten auf dem Platz begleitet und verschiedene Eindrücke direkt vor Ort aufgenommen. Es war also ganz schön viel los auf dem Platz!

Bohrreport Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

08. Mai 2026

Es geht voran! Der Bohrkeller ist fertiggestellt, die Fundamente für das Bohrgerät stehen und in den nächsten Tagen folgen abdichtende Kunststofffolie sowie eine weitere Lage Schotter. Außerdem werden die Auffangbecken für den hydraulischen Test aufgestellt und die Container für den Lärmschutz gestapelt. Alles muss bereitstehen, bevor Ende des Monats das Bohrgerät auf dem Platz eintrifft.  

Im linken Foto steht ein Mann vor einer Betonwand. Auf dem rechten Foto sieht man den Bohrkeller.
© GD NRW: Einbau des Bohrkellers: links das Absenken des Kellers, rechts der Keller mit dem oberen Teil des Standrohrs. Anschließend wurde der Bohrkeller durch eine gegossene Bodenplatte fest im Untergrund verankert.
Links: Bau des Bohrkellers mit dem oberen Ende des Standrohrs, rechts: Luftaufnahme des Bohrplatzes
©GD NRW Links: Bau des Bohrkellers mit dem oberen Ende des Standrohrs, rechts: Luftaufnahme des Bohrplatzes.

Bohrreport Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

06. Mai 2026

Seit März herrscht auf dem ehemaligen Ascheplatz am Thurner Kamp reger Betrieb: Hier entsteht der Bohrplatz für die Forschungsbohrung in Köln-Dellbrück. Oberstes Ziel ist es, die Beeinträchtigungen für Natur und Umfeld während der Bohrarbeiten so gering wie möglich zu halten. Dazu zählt auch, dass keine potenziell wassergefährdenden Stoffe in den Untergrund gelangen dürfen. Bevor die eigentliche Bohrung beginnen kann, muss die verwilderte Fläche daher zu einem sicheren Bohrplatz umgebaut werden. Zunächst wurde der Grünschnitt entfernt und ein Teil des Oberbodens abgetragen. Darauf wurden ein Schutzvlies ausgelegt und eine erste verdichtete Schotterlage aufgetragen. Im Bereich des zukünftigen Bohrlochs wurde bis zur Oberkante des Festgesteins in einer Tiefe von 43,3 Metern ein sogenanntes Standrohr eingebracht. Diese Schutzverrohrung, in der später gebohrt wird, ist durch eine Zementhülle fest im Lockergestein verankert: So bleiben die einzelnen Grundwasserstockwerke voneinander getrennt und eine Mischung der unterschiedlichen Wässer wird ausgeschlossen. Aktuell entsteht um das obere Ende des Standrohres ein Bohrkeller. Dieser fängt überschüssige Bohrsubstanzen und Niederschlagswässer auf und ist damit ein wichtiger Teil des Umweltsicherheitskonzepts einer Tiefbohrung. In den nächsten Tagen werden die Fundamente für das Bohrgerät gegossen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Web-Flyer