Das Bohrunternehmen ist unter Vertrag, die erforderlichen Genehmigungen sind beantragt, die Planungen konkretisiert. Im ersten Quartal 2026 sollen die Arbeiten für den Bohrplatz am Thurner Kamp im Kölner Stadtteil Dellbrück beginnen. Geplant ist eine bis zu 1.000 Meter tiefe Forschungsbohrung, mit der der Geologische Dienst NRW (GD NRW) Erkenntnisse über die Eignung der devonischen Kalksteine als geothermisches Reservoir gewinnen möchte.
Noch hat der Winter den ehemaligen Sportplatz am Thurner Kamp fest im Griff. Doch schon bald wird hier mit einer Forschungsbohrung tief in die Erde geschaut. Ziel ist es, den 380 Millionen Jahre alten Massenkalk der Devon-Zeit zu untersuchen. In diesem Kalkgestein kann durch Klüfte und Hohlräume Wasser fließen. Je tiefer diese Gesteine vorkommen, desto wärmer ist darin enthaltenes Wasser, womit man heizen könnte. Die Ergebnisse der Bohrung sind für die gesamte Region relevant und können eine Entscheidungsgrundlage sein, ob künftig die tiefe Geothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden kann. Der GD NRW führt die Forschungsbohrung im Rahmen des Explorations- und Bohrprogrammes „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ durch und ist vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW beauftragt.
Wann geht es los?
„Das ausführende Bohrunternehmen steht fest, die Genehmigungen sind beantragt“, erläutert Projektleiter Ingo Schäfer. „Nach Erteilung aller notwendigen Genehmigungen werden wir direkt mit dem Bohrplatzbau beginnen.“
Wo und wie wird gebohrt?
Als Bohrstandort wurde ein ehemaliger Sportplatz am Thurner Kamp, der heute als Ausgleichsfläche der Stadt Köln dient, ausgewählt. Ausschlaggebend für die Standortwahl ist die Geologie im Untergrund. Bisherige Erkenntnisse und Modelle zeigen, dass mit der geplanten Tiefbohrung hier die vollständige Abfolge des Massenkalks erreicht werden sollte. Für umfangreiche Analysen zur Eignung des Massenkalks als geothermisches Reservoir werden die Kalksteine als Bohrkerne an die Oberfläche gefördert. Im tiefen Bohrloch sollen zudem zahlreiche Untersuchungen durchgeführt werden. „An diesem Standort haben wir die Möglichkeit, den Massenkalk in den oberen 1.000 Metern zu untersuchen. Für eine echte geothermische Wärmegewinnung würde man eher einen Standort wählen, an dem der Kalkstein tiefer liegt und damit wärmer ist“, so Schäfer.
Wie laufen die Arbeiten ab?
Zunächst wird der Bohrplatz vorbereitet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Schutz der Umwelt, beispielsweise durch technische Schutzvorrichtungen für das Grundwasser, aber auch auf Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohnenden. Anschließend wird die etwa 20 Meter hohe Bohranlage aufgebaut. „Für die eigentlichen Bohrarbeiten und das Fördern der Bohrkerne sind zwei bis drei Monate veranschlagt“, erklärt Dr. Stephan Becker, verantwortlicher Geologe für die Bohrung beim GD NRW. „Sehr wichtig sind für uns auch die anschließenden Untersuchungen im Bohrloch, die wertvolle Erkenntnisse über die mögliche Eignung des Massenkalks für eine geothermische Nutzung liefern.“
Da eine Forschungsbohrung nicht die technischen und rechtlichen Anforderungen einer Produktionsbohrung erfüllt, wird das Bohrloch anschließend verfüllt und die Fläche wiederhergestellt.
Weitere Informationen
Der GD NRW informiert die Öffentlichkeit regelmäßig über den Fortschritt dieses und weiterer Projekte – vor Ort, über die Projektwebseite geowaerme.nrw.de sowie über die Social-Media-Kanäle @geowaermenrw.
Hintergrundwissen: Hydrothermale Geothermie
Bei der hydrothermalen Geothermie wird heißes Tiefenwasser genutzt, das durch eine Förderbohrung an die Oberfläche gepumpt wird. Dort gibt das Wasser seine Wärme über Wärmetauscher beispielsweise an ein Fernwärmenetz, Industriebetriebe oder Gewächshäuser ab. Das abgekühlte Wasser wird über eine zweite Bohrung wieder vollständig in den Entnahmehorizont zurückgeführt. Der große Vorteil: Die lokale Wärme aus der Tiefe steht witterungsunabhängig rund um die Uhr zur Verfügung. Sie ist klimafreundlich, preisstabil und macht unabhängig von der Lieferung klimaschädlicher fossiler Brennstoffe.