Über Neuigkeiten zur geplanten Forschungsbohrung des Landes informierte der Geologische Dienst NRW (GD NRW) am Dienstagabend in Münster den Ausschuss Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen. Nach umfangreicher Datenanalyse hat der GD NRW in Abstimmung mit der Stadt für die im Jahr 2027 geplante Forschungsbohrung nun einen Bohrplatz im Südosten von Münster festgelegt. Dort kommen in mehr als 1.000 Metern Tiefe bis zu 100 Mio. Jahre alte Kalksteinschichten aus der Kreide-Zeit vor, die warmes Wasser enthalten können. Ein solches geothermisches Reservoir könnte dazu beitragen, die Wärmeversorgung der Region sicher und klimafreundlich voranzubringen. Das Projekt ist Teil des „Masterplans Geothermie NRW“.
„Vorhandene und neu erhobene Daten zeigen, dass die Kalksteine im Untergrund des Münsterländer Kreide-Beckens Hohlräume aufweisen können“, sagt Dr. Ulrich Pahlke, Direktor des GD NRW. „Darin könnte warmes Tiefenwasser fließen. Ob das der Fall ist und wie ergiebig die Erdwärmequelle ist, soll für Münster nun unsere Forschungsbohrung zeigen. Die Ergebnisse sind für große Teile des Münsterlandes von großer Bedeutung.“
Die ausgewählte Fläche für die Forschungsbohrung „Münster-Osttor“ liegt zwischen den Stadtteilen Gremmendorf und Hiltrup-Lodden. Es handelt sich um ein Wiesengrundstück im Eigentum der Stadt Münster, umgeben von landwirtschaftlichen Flächen. Im Rahmen der Bohrung werden umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen, die dafür sorgen, dass Mensch und Natur nicht beeinträchtigt werden, beispielsweise durch technische Schutzvorrichtungen für das Grundwasser und Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohnenden.
„Von diesem Standort aus können wir die für uns interessanten Bereiche im Untergrund besonders gut erreichen“, betont Projektleiter Ingo Schäfer vom GD NRW. „Wir erwarten die gesuchten Kalksteine in rund 1.000 bis 1.300 Metern Tiefe. Dort wird die Bohrung dann seitlich abgelenkt, um die Kalksteine noch besser zu erschließen.“
Transparente Information der Öffentlichkeit
Wann genau es im nächsten Jahr losgeht, können Interessierte auf der Projektwebseite geowaerme.nrw.de sowie über die Social-Media-Kanäle @geowaermenrw erfahren. Der GD NRW informiert regelmäßig über die Projektfortschritte in Münster und über alle anderen laufenden Maßnahmen.
Hintergrund: Masterplan Geothermie NRW
Die Forschungsbohrung Münster ist Teil des Explorations- und Bohrprogramms „Geowärme – Wir erkunden NRW.“, beauftragt durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen als Teil des „Masterplans Geothermie NRW“. Dessen Ziel: Bis 2045 sollen rund 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW durch Erdwärme gedeckt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden öffentlich zugänglich gemacht und dienen Kommunen, Stadtwerken und Unternehmen als Entscheidungsgrundlage.
Hintergrund: Wärme aus der Tiefe
Hydrothermale Geothermie liefert rund um die Uhr Energie – wetterunabhängig, regional verfügbar und ohne fossile Brennstoffe. Für die Wärmewende gilt sie als Schlüsseltechnologie. Um die Wärme aus der Tiefe zu erschließen, wird heißes Wasser aus natürlichen Hohlräumen im Untergrund an die Oberfläche gefördert. Dort gibt es seine Energie über Wärmetauscher an Fernwärmenetze, Industrie, Gewerbe oder Gewächshäuser ab und wird anschließend über eine zweite Bohrung wieder in dieselbe Gesteinsschicht zurückgeführt. Über 40 Geothermieanlagen nutzen in Deutschland bereits erfolgreich den Schatz aus der Tiefe.